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Weshalb wir in unserem Trio ohne Noten auftreten

Christian Gnos
17. Mai 2020
Für viele ist das auswendige Alphorn-Spielen ein absolutes Muss – andere verlassen sich beim Auftritt lieber auf Noten. Ich möchte in diesem Beitrag erklären, weshalb wir in unserem Trio alle Stücke auswendig vortragen.

Viele sind davon überzeugt, dass man inniger musizieren kann und das Zusammenspiel und der Gesamtklang in einer Gruppe besser ist, wenn man auswendig spielt. Das mag zutreffen – auch wenn es genug Beispiele von Musikern gibt, die vielleicht gerade dank ihrer Noten unglaublich gut spielen!

In unserem Alphorntrio »Üri, Schwyz & Underröck« haben wir uns die Frage gestellt, ob wir konsequent ohne Noten auftreten sollen. Um diese Frage zu beantworten, haben versucht, uns in unser Publikum zu versetzen. Meistens sind unsere Zuhörer vertraut mit der schweizerischen Folklore und dem Alphorn. Sie freuen sich über die vertrauten Alphornklänge und interessieren sich für unsere Trachten.

Die folgenden Überlegungen haben uns dazu bewogen, in unserem Trio nur noch ohne Noten aufzutreten. Es braucht zwar manchmal etwas länger, bis man ein neues Stück sicher aufführen kann, aber dafür macht das Alphorn-Blasen umso mehr Freude!

Auftritte in Tracht

Unsere Auftritte machen wir meistens in traditionellen Urner- bzw. Schwyzer-Trachten. Die Trachten sind durch Elemente der Biedermeierzeit geprägt. Auch wenn sie nicht strikt historische Gewänder sind, so sind sie trotzdem Ausdruck der Mode des 19. Jahrhunderts und der Jahrhundertwende. Zu dieser Zeit wurde das Alphorn wohl kaum mit Noten geblasen. Deshalb sind Noten im Erscheinungsbild von Alphornbläsern in traditioneller Tracht ein Fremdkörper.

Direkter Draht zum Publikum

Wenn wir ohne Noten spielen, wirkt das auf unsere Zuhörer direkter und authentischer. Unser Blick ist frei für Augenkontakt zum Publikum oder zu den Mitmusikern. Diese Chance möchten wir unbedingt nutzen und während dem Spiel mit unseren Augen den Kontakt zum Publikum suchen.

Auswendiges Vortragen ist etwas besonderes

Unsere Gesellschaft ist stark von Schrift und Notizen geprägt – die meisten sind auch ein bisschen davon abhängig. Unserer Erfahrung nach beeindruckt es das Publikum, wenn wir ohne Noten und Spick auftreten.

Das auswendige Spielen ist eine Übungssache! Je häufiger man es pflegt, umso besser geht es: Man kann sich neue Stücke schneller einprägen und man verliert die Angst vor Aussetzern.

Flexibilität und Spontanität

Wenn wir ohne Noten aufspielen hat das den Vorteil, dass wir beweglicher und flexibler werden:

Es kann ab und zu herausfordernd sein, mit dem Alphorn durch Türen und verwinkelte Gebäudegänge zum Auftrittsort zu kommen. Dann sind wir jeweils froh, nicht auch noch auf die Noten achten zu müssen.

Uns ist es wichtig, auf eine unerwartete Änderung eines Events, spontan mit einem anderen Musikstück zu reagieren. Wenn wir zuerst nach den Noten suchen müssen, können wir vielleicht nicht immer genügend schnell beginnen ...

Hobby-Alphornbläser

Da der Eidgenössische Jodlerverband bei Wettspielen fordert, dass man auswendig spielt, ist es in der Schweiz immer noch weit verbreitet, dass das Alphorn auswendig geblasen wird. Umso mehr entsteht mit Noten das Bild, das jemand nur hin und wieder zum Alphorn greift oder dass eine Formation spontan zusammengesetzt ist. Dieses Bild möchten wir aber lieber vermeiden und statt dessen als eingespieltes, erfahrenes Alphorntrio wahrgenommen werden.